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Ernährung

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Dieser kleine Artikel befasst sich mit biologischen und psychologischen Betrachtungen der Ernährung. Bewusst provokant wähle ich die Überschrift:

Biopsychologie der Ernährung

Den Grund für diese Nomenklatur erfahren Sie im Laufe des Artikels.
Wenn wir die menschliche Entwicklung im Rahmen der biologischen Evolution betrachten, dann werden wir erkennen, dass sich einige wenige Verhaltensweisen als "lebens- bzw. überlebensnotwendig" bewerten lassen und anderes Verhalten eher als unspezifisch "lebenswertes" Verhalten beschreiben lässt.
Wenn wir der sehr allgemeinen Definition für "Triebe" folgen, beschrieben als "innerer Drang", dann möchte ich die Erweiterung hinzufügen, dass uns dieses Drängen nicht "bewusst" sein muss, um es zu realisieren, sondern dass dieses Verhalten in erster Linie "unbewusst gesteuert" ist. Die Begrifflichkeiten "Bewusstsein und Unbewusst-Sein" benutze ich nicht speziell definiert, sondern so, wie der normale Sprachgebrauch sie verwendet.
Zu den Trieben rechne ich neben dem "Überlebenstrieb" in erster Linie den "sozialen Trieb", der den Menschen, sowie allen Gruppenlebewesen eigen ist. Natürlich auch den "Fortpflanzungstrieb" und eben den Trieb zur "Nahrungszufuhr". Die Liste der Triebe hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Allein die Zuordnung des "Ernährungsverhaltens" zu den Trieben ist für die weiteren Betrachtungen bedeutsam!

Wenn unsere Nahrungsaufnahme auf unterstem Niveau triebhaft geregelt ist, so schließt dies eine Einflussnahme auf diesen Trieb nicht aus (was zumindest einigen von uns im Rahmen der Sexualität vertraut sein sollte!). Dennoch tritt die Realität dieser Triebe immer dann deutlicher in den Vordergrund, wenn man versucht, sich dieser Triebe zu "entsagen". Für die Nahrungszufuhr hat dies mehrere Erscheinungsformen.

Erscheinungsformen der Triebunterdrückung:
die Gedanken an Essen und Trinken "verdichten" sich
Reize, die mit Nahrungsaufnahme verbunden sind, werden
  stärker wahrgenommen

dem Antrieb der Nahrungsaufnahme zu widerstehen wird
  immer schwerer
die Nahrungsauswahl wird immer unspezifischer, z.B. werden
  ansonsten berücksichtigte Wertigkeiten, wie etwa die
  Gesundheit der Nahrung mehr und mehr außer Acht
  gelassen

die "Qualität" der aufgenommen Nahrung wird immer
  wahrloser

die Quantität der Nahrungszufuhr steigt

Die biologischen Begründungen für dieses Verhalten sind bekannt. Ein Aspekt ist der Schutz vor Unterzuckerung. Unsere Schalt-Zentrale (Gehirn) muss lebensfähig sein, d.h. permanent mit Zucker versorgt werden können. Darum bedeutet eine potentielle Unterzuckerung eine konkrete Gefahr für das Gehirn.
Es ist nicht so, dass diese Phänomene nicht bekannt wären. Nicht ohne Grund sagt man, dass man mit leerem Magen keine Lebensmittel einkaufen sollte usw., doch paradoxerweise wird der falsche Umgang mit der Nahrungsaufnahme dennoch allgemein als "Charakterschwäche" bewertet. 

Die Ursachen für diese "Härte gegen uns selbst" mögen vielschichtig sein. Ein fundamentaler Aspekt dieser Bewertungsmaßstäbe ist darin zu sehen, dass wir wissen, dass Essen und Trinken mehr ist als Nahrungsaufnahme. Nennen wir den Faktor, den wir zudem erleben können "Genuss". Ein schwergewichtiger Grund für die strenge Bewertung ist die "Genussfeindlichkeit" unserer Ethik.
Die Gründe für diese "Genussfeindlichkeit" oder, salopper gesprochen, dafür, warum wir es uns auf "Gottes schöner Welt" nicht gut gehen lassen sollen - sind vielschichtig. Einem allgemein akzeptiertem Konsens würde man sich annähern können, wenn man hinzufügt - in Maßen - also Genuss in Maßen. Welche Wirkungen die Moral und Ethik-Vorstellungen unseres Kulturkreises in uns haben, ist sicherlich so elementar, dass man hierüber noch viel ausführlicher nachdenken müsste.
Es soll jedoch ein weiterer Verhaltensaspekt angesprochen werden, den wir eher beeinflussen könnten, als die in Fleisch und Blut übergegangene "Kirchenmoral".

Betrachten wir unser Ernährungsverhalten einmal sehr individuell, zum Beispiel im Ablauf eines Tages. Stellen wir uns zunächst die Frage, ob wir mit dem Tag zufrieden waren, ob wir Bestätigung gefunden haben, ob wir gelobt wurden (auf der Arbeit), ob wir gesehen werden (von den Freunden), ob wir begehrt werden (von unserem Partner)...???
...dann wird deutlich, dass sich viele "Versäumnisse" im Laufe eines Tages ansammeln.
Wir Menschen sind häufig defizitär an "schönen Gefühlen" zu uns und für uns selbst. 
Was hat die Ernährung damit zu tun? Die Ernährung ist eine sehr einfache Möglichkeit uns "Gutes" zu tun, uns zu verwöhnen, uns Genuss zu verschaffen. Woher sollten wir diese elementaren Bedürfnisse für unser Wohlbefinden denn alternativ beziehen?
Sicherlich besteht die einfachste Lösung darin, dass wir uns im täglichen Lebensfluss die positiven "Feed-backs" holen. Das gelingt jedoch leider nicht immer auf Wunsch.
Weitere Alternativen bestehen darin, dass man etwas anderes Schönes macht - doch was bleibt da? Wenn wir ehrlich sind haben wir oft nur wenig Alternativen zur Verfügung, uns durch uns selbst etwas Gutes zu tun: Mal ein schönes Buch lesen, mal einen guten Film ansehen, mal ins Theater gehen, mal an die frische Luft gehen. Doch viele dieser Handlungen sind mit weitaus mehr Aufwand zu realisieren, als z.B. eine Tafel Schokolade zu essen. Was jeder Einzelne als Speise oder Trank dann für sich bevorzugt, ist bekanntermaßen sehr facettenreich. Diese Vorlieben sind durch vielerlei Prozesse entstanden.
Ein allgemein sehr verbreiteter Prozess ist z.B. die Belohnung mit etwas "Süßem". Von Kindesbeinen an wird man zu allen Gelegenheiten mit Süßigkeiten versorgt, die für das Individuum von besonderer Bedeutung sind: Geburtstage, Zuckertüte zur Einschulung..., Trost nach Verletzungen...
Wir wissen alle, dass Süßigkeiten nicht gesund sind. Dennoch unterstützen wir diese Wertigkeit durch unser Handeln. Wir müssen demnach davon ausgehen, dass dieses Verhalten nicht in erster Linie durch unsere Vernunft gesteuert ist. 

In der Tat kennt auch ein stoffwechselkranker Mensch sehr genau die Nachteile einer "Genussration" Schokolade. Dennoch wird die Schokolade positiv erlebt. Sie ist gut für die Seele.

Das Resümee klingt also sehr einfach - ist es auch:
Wenn wir unserer Seele ausreichend Nahrung in Form von positiven Gefühlen schenken - oder vielmehr beschenkt werden, brauchen wir die "Ersatzbefriedigung" der Schokolade nicht mehr. Zumindest haben wir die Möglichkeit, den Schokoladengenuss frei zu wählen. Kommt unsere Seele aber zu kurz, haben wir diese Auswahlmöglichkeit nicht mehr! Die "Seelen-Nahrungsbefriedigung" wird zum Zwang. Die Seele sorgt für uns - auch wenn die Auswirkungen auf den Körper negativ sein sollten. Zumindest darauf können wir uns verlassen.

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